Psychische Leiden

Immer mehr Menschen aufgrund psychischer
Erkrankungen krankgeschrieben:

Im April veröffentlichte die DAK ihren Gesundheitsreport 2013 und zeigte damit eine überraschende Entwicklung auf. Denn im vergangenen Jahr waren erstmals die meisten Krankschreibungen auf psychische Erkrankungen zurückzuführen. Danach folgten erst Muskel- und Skelett- sowie Atemwegserkrankungen. Am häufigsten krankgeschrieben wegen seelischer Leiden waren die Saarländer, gefolgt von den Berlinern und Hamburgern. Am wenigsten krankgeschrieben wurden hingegen die Arbeitnehmer in Baden-Württemberg.

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Psychische Leiden nehmen stark zu

Doch nicht nur im Jahr 2012 waren viele Arbeitnehmer aufgrund eines psychischen Leidens krankgeschrieben. Die Anzahl der Fehltage ist in den letzten 15 Jahren stetig angestiegen. Vom Jahr 2000 bis 2012 hat sich die Anzahl der Fehltage, die durch Erkrankungen der Psyche verursacht wurden, um rund 90 Prozent erhöht. Hinzu kommt, dass die durchschnittliche Fehlzeit bei mehr als 40 Tagen liegt. Nicht nur für die Krankenkassen ist diese Zunahme an psychischen Erkrankungen ein erheblicher Kostenfaktor. Auch die Unternehmen müssen diesen Produktionsausfall tragen, der in Deutschland inzwischen eine Summe von mehr als 25 Milliarden Euro ausmacht.

Burn-out nicht Hauptgrund für Krankschreibungen

Obwohl der Burn-out inzwischen als Volkskrankheit gilt, sind die meisten Arbeitnehmer aufgrund von Depressionen und Belastungsstörungen krankgeschrieben. Ein Grund für die starke Zunahme der psychischen Erkrankungen sei ein veränderter Umgang mit der Diagnose. Während früher Rückenschmerzen als Ursache genannt wurden, tragen die Ärzte inzwischen die tatsächliche Diagnose ein. Dennoch gibt es hier immer noch Vorbehalte. Beinahe die Hälfte der Angestellten würden stillschweigen über ihre Krankheit bewahren und diese – wenn möglich – nicht offenbaren.

Ständige Erreichbarkeit erhöht das Risiko

Dennoch warnen Experten vor den Ursachen, die hinter der Zunahme der psychischen Erkrankungen stecken. Ein Grund hierfür sei die ständige Erreichbarkeit der Arbeitnehmer. Zwar werden nur 12 Prozent der Arbeitnehmer regelmäßig nach der Arbeit vom Arbeitgeber angerufen, doch liegt die Wahrscheinlichkeit, an einem seelischen Leiden zu erkranken, hier deutlich höher. Etwas mehr als 20 Prozent lesen außerhalb der Arbeitszeit ihre E-Mails. Die Gruppe der Angestellten, die auch in der Freizeit ständig mit dem Stress der Arbeit konfrontiert werden, ist zwar verhältnismäßig klein. Doch jeder Vierte, der ständig erreichbar ist, erkrankt an einer psychischen Erkrankung. Es geht jedoch auch anders – denn zwei Drittel der Arbeitnehmer sind außerhalb der Arbeit gar nicht für den Arbeitgeber erreichbar. Über 60 Prozent der Angestellten haben sogar nicht einmal die private Rufnummer hinterlegt. Es kann also nicht von einem Zwang von ständiger Erreichbarkeit gesprochen werden. Vielmehr steigt der Druck immer weiter an, dem ein Großteil der Menschen einfach nicht mehr gewachsen ist. Um das Pensum zu schaffen, wird dann letztendlich auch die Freizeit geopfert. Auf Dauer macht dieses Ungleichgewicht zwischen Arbeit und Erholung jedoch krank. Die Folge davon: Immer mehr Menschen sind krankgeschrieben.

Mangelnde Anerkennung häufig ebenfalls Ursache für psychische Erkrankungen

Mit dem steigenden Druck sinkt in vielen Unternehmen gleichermaßen die Anerkennung. Dabei sind gerade das Lob und die Anerkennung der Leistung wichtig, um die Mitarbeiter zu motivieren. Wer hin und wieder für seine Arbeitsleistung gelobt wird, leistet auch gerne viel. Schlimmer als fehlende Anerkennung sind jedoch Druck und Demütigung. Staut sich der Frust an und müssen ständige Kränkungen hingenommen werden, kann dies auf Dauer krankmachen, woraufhin die Mitarbeiter wieder umso häufiger krankgeschrieben werden.

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